Überall, wo von professioneller Bildbearbeitung gesprochen wird, hört man im selben Atemzug meist auch den Namen „Photoshop“. Das Programm aus dem Hause Adobe ist für viele die Nummer eins in diesem Bereich, ungeachtet der Tatsache, dass wir in diesem Zusammenhang oft noch ein anderes Wort hören: „Teuer“. Denn wer mit der Software arbeiten will, muss einige Hunderter über den Ladentisch wandern lassen. Dafür bekommt man dann zwar Einiges geboten für sein Geld, doch wissen die Wenigsten, wie es hier um ihre Möglichkeiten bestellt ist. Für hobbymäßiges Retuschieren der Urlaubsbilder jedenfalls ist zumindest der finanzielle Aufwand nicht lohnenswert, einmal abgesehen von der langen Einarbeitungszeit.
Aufgrund dessen leistet seit Mitte der Neunziger ein OpenSoure-Projekt unaufhörlich Widerstand gegen den Marktriesen, und das mit Erfolg: Seit über zehn Jahren hält sich GIMP, was übrigens die Abkürzung für GNU Image Manipulation Program ist, mit einem ansehnlichen Anteil auf dem Markt und bietet Photoshop die Stirn. Wobei keinesfalls vom Kampf des David gegen den Goliath die Rede sein kann, denn GIMP kommt mit einer Vielzahl an Funktionen daher.
Am besten ist natürlich, wie immer bei solchen Programmen, auszuprobieren, doch braucht man ja eine Grundlage, weshalb ich mit den Folgenden Tutorials ausführlich auf den Zweck der einzelnen Schritte eingehe.
1.Einfaches Nachbessern von Fotos
Wie schnell ist es passiert: Da hat man ordentlich Fotos auf der letzten Familienfeier gemacht und beim anschließenden Durchsehen stellt man fest, dass die blauen Augen des Babys das Blitzlicht im grellen Zombierot reflektiert haben, der eigene Spross ungeniert die pickelige Mischhaut zur Schau stellt und man selbst aussieht als hätte man zwei Wochen die Zähne nicht geputzt. Nicht schön der Gedanke, dass jedes dieser Horrorbilder beim Entwickeln einen „Groschen“ kosten wird. Doch hinnehmen muss das natürlich nicht.
Pustel, Pickel und Co.
Wenden wir uns als erstes einmal den Hautunreinheiten und Pickeln zu. Um diesen Herr zu werden empfiehlt sich das so genannte Klonen-Werkzeug, das man, wie es der Name schon sagt, im Werkzeugkasten findet, dem standardmäßig links platzierten GIMP-Fenster. Ist es ausgewählt, muss man sich im unten erscheinenden Konfigurationsfeld noch einen Pinsel auswählen, wobei man auf einen Circle Fuzzy zurückgreifen sollte, also einen runden Pinsel mit einer weichen Kante, die Größe müsst ihr je nachdem im Verhältnis zu den Unregelmäßigkeiten und dem Gesicht auswählen, wobei 17 nicht überschritten werden sollte. Fahrt dann zu einer Stelle in der Nähe des Pickels, die wird unsere Vorlage für die neue „Haut“, weshalb das ganze farblich stimmen sollte. Mit Strg + Linke Maustaste kopiert ihr schließlich den Hautausschnitt, und wenn ihr nun auf den Pickel klickt wird er mit der Haut überschrieben.
Hier geht Probieren über Studieren. Wenn ihr größere Flächen verdecken wollt, solltet ihr unbedingt öfters die Vorlage wechseln, da das Bild ansonsten aufgrund der Regelmäßigkeit sehr künstlich aussieht, auch solltet ihr auf das Gesamtbild achten, denn sonst entsteht bei unguter Vorlagenwahl schnell der Eindruck von Pigmentstörung. Und so haben wir schon eine weitere Funktion des Werkzeuges, wenn euch ein Verwandter mal dumm gekommen ist…
Rote Augen
Dieser Effekt ist bereits so alt wie die Blitzlichtfotographie selbst. Er ist leicht erklärt: Wenn sich Blitzgerät und Objektiv auf der gleichen Höhe befinden, wird durch die Pupillen hindurch das Licht von der Netzhaut zurückgeworfen – die rot ist, weshalb die Augen auf den Bildern in der gleichen Farbe erstrahlen. Vorbeugen kann man theoretisch schon beim fotografieren, am besten funktioniert das wenn man völlig unabhängig vom Fotoapparat ein Blitzgerät aufstellt oder eben allgemein ein externes Gerät nutzt. Über so etwas verfügen jedoch die wenigsten und wer hat auch schon groß Lust ein externes Stativ mit sich herumzuschleppen und bei jedem Foto neu aufzustellen? Vor allem, wenn’s doch im Nachhinein viel schneller geht.
Zur Auswahl hat man sogar gleich mehrere Möglichkeiten, ich werde hier zwei näher erläutern, mit denen ich durchweg gute Erfolge erzielen konnte, vor allem da zum Beispiel Reflektionen in der Pupille erhalten bleiben und die Augen somit weiterhin natürlich wirken. Zuerst muss man jedoch einmal die betreffenden Stellen auswählen, am besten arbeitet man hier mit dem Zauberstab-Werkzeug, das ähnlich gefärbte Bereiche mit nur einem Mausklick markiert. Hier muss man ein wenig mit dem Schwellwert herumexperimentieren, der festlegt, wie stark sich die Bereiche farblich unterscheiden dürfen. Hält man während des Klickens die Shift-Taste gedrückt, werden die folgenden Bereiche der Auswahl hinzugefügt (Beim normalen Klicken würde ja die aktuelle Auswahl gelöscht und die neu angewählte als Auswahl angenommen).
Auf diese Weise wählt man nun beide Augen an und geht anschließend auf Filter–> Verbessern–> Rote Augen entfernen. Im nun erscheinenden Menü legt man den Schwellwert für den Filter fest, dank der Vorschau trifft man hier den richtigen Wert sehr genau.
Eine weitere Möglichkeit den Effekt zu entfernen ist es, nach dem Markieren der Augen den Menüpunkt Farben–> Farbton/Sättigung auswählt. Nun bekommt man einige Reiter zur Verfügung gestellt, mit der man die Sättigung, den Farbton und die Helligkeit verändern kann, wobei die Änderungen sofort im Bild angezeigt werden. Diese Variante ist ein ganz klein wenig mühsamer, dafür kann man mit ihr bessere Ergebnisse erzielen als beim automatisierten Vorgang.
AntiAging
Wer braucht schon teure Schönheitskuren und Faltencremes, wenn man denselben Effekt in GIMP mit wenigen Handgriffen erreichen kann? Als Assistent steht uns diesmal das Heilen-Werkzeug zur Seite, das wir, wie beim Klonen, am besten mit einem Circle Fuzzy ausrüsten. Per Shift + Linke Maustaste wählen wir nun wieder eine gesunde Hautstelle als Vorlage und können nun Falten und Ähnliches einfach übermalen. Dabei jedoch wieder auf Abwechslung bei der Vorlage achten, sonst wirkt das Bild hinterher zu künstlich. Hiermit können wir zwar kleinen Fältchen beikommen, richtig tiefe Furchen verlangen allerdings ein anderes Vorgehen, am besten mit dem Wischfinger-Werkzeug. Hier muss man jedoch ganz besonders auf die Dosierung achten, da die bearbeiteten Bildabschnitte sonst schnell zu unscharf werden und sich vom Rest des Fotos abheben. Eine Kombination beider Werkzeuge ist daher ratsam.
Zähne nicht geputzt?

So werden die Zähne weiß (links)...
Zu guter Letzt kommen wir noch auf einen unangenehmen Effekt des Fotografierens zu sprechen, denn egal, wie gut wir unsere Zähne pflegen, im grellen Blitzlicht erscheinen sie plötzlich gelb und unansehnlich. Doch auch dagegen kann mit wenigen Mausklicks vorgehen. Einfach den „Schandfleck“ wie schon bei den roten Augen beschrieben auswählen und anschließend wieder den Menüpunkt Farben–> Farbton/Sättigung anklicken. Über den Regler „Helligkeit“ verpasst man den Zähnen nun kinderleicht ein sehr natürlich wirkendes Weiß (oder eben ein sehr natürlich wirkendes Braun, wie einem der Sinn danach steht).

...oder dunkel (links).

Vorher - Nachher
Mit diesen ganzen Tricks und Kniffen ist es ein Leichtes, seine eigenen Bilder so aussehen zu lassen, als kämen sie aus dem letzten Modemagazin – zumindest fürs erste, wer sich hierfür mehr interessiert muss sich früher oder später auf die Suche nach weiteren Tutorials machen oder selbst herumprobieren, ich will nur, dass ihr ein Gefühl für GIMP bekommt, denn viele Anleitungen sind für Anfänger einfach zu schwer erklärt. An den Beispielen lässt sich jedenfalls gut erkennen, was alles möglich ist. Gut, ich weiß, das sind nicht gerade Meilensteine, die Pupillen sind zu hell und die Falten nicht ordentlich wegretuschiert – aber das soll wirklich nur verdeutlichen, zu was das Bildbearbeitungsprogramm fähig ist, schließlich würde man ja auch normalerweise eine in Falten gelegte Stirn nicht bearbeiten.

Wenige Mausklicks, und doch-
GIMP hält jedoch noch einen weiteren, interessanten Aspekt bereit, nämlich das Erzeugen von Grafiken. Im Folgenden seht ihr ein kleines Tutorial, mit dem ihr eine simple, aber trotzdem ganz ansehnliche Grafik erzeugen könnt, die sich als Desktophintergrund nicht gerade schlecht macht.
Zunächst erstellt ihr ein neues Bild und füllt es mit Wolken, damit wir erst einmal verschiedene Flächen haben. Hierzu einfach auf Filter–> Render –> Wolken–> Plastisches Rauschen klicken und ein wenig mit den Einstellungen herumprobieren. Ihr könnt die so konfigurieren, wie ihr wollt, ich verwende in diesem Beispiel sowohl als X- wie auch als Y-Größe den Wert 6.
Danach wenden wir mit Filter–> Verzerren–> Mosaik den Mosaikfilter an, wobei ihr auch hier ruhig ein wenig mit den Werten herumexperimentieren könnt. Als Kachel-Primitive sollten jedoch „Quadrate“ eingestellt und der Wert für die Kachelordnung auf 1 gesetzt werden.
So, kommen wir zu einem Effekt, der ein wenig Bewegung in unser Bild bringen wird. Hierzu wählen wir den Menüpunkt Filter–> Weichzeichnen–> Bewegungsunschärfe und klicken den Unterpunkt Zoom an. Als Längenwert nahm ich hierbei 45, doch geht hier Probieren über Studieren.

-das Ergebnis braucht sich nicht zu verstecken!
Nun verfeinern wir das Ganze noch, zunächst über Filter–> Verzerren–> Relief. Hier könnt ihr nach Belieben Einstellungen treffen, als Richtlinie könnt ihr die Basiseinstellungen verwenden, ich selbst veränderte sie nur geringfügig. Danach klickt ihr auf Filter–> Kanten finden–> Kanten, wobei ihr wieder die Einstellungen nach Belieben verändern könnt, ich verwendete den Sobel-Algorithmus bei einer Menge von 2.
So, nun gilt es über Filter–> Weichzeichnen–> Bewegungsunschärfe und dem gleichen Vorgehen wie bereits oben beschrieben wieder ein wenig Bewegung rein zubringen, variiert hier ruhig mit den Werten. Und dann sind wir eigentlich auch schon am Ende angekommen. Nur noch über Farben–> Einfärben das Ganze ein wenig bunter machen und, wenn nach eurem Geschmack die dunklen beziehungsweise hellen Töne zu stark ausgeprägt sind, könnt ihr über Farben–> Intervenieren dieses Verhältnis umkehren. Tut dies jedoch vor dem Einfärben, da sonst auch die Farbe umgekehrt wird!
Die offizielle Website des GIMP-Projekts inklusive des Downloads findet ihr hier.
*englisch für Einfaltspinsel